"Lazarus stirbt. Und bald danach auch der Reiche. Der Tod macht keinen Unterschied. Arme und Reiche behandelt er gleich. Gegen den Tod hilft kein großes Vermögen", so Kardinal Christoph Schönborn.
"Lazarus stirbt. Und bald danach auch der Reiche. Der Tod macht keinen Unterschied. Arme und Reiche behandelt er gleich. Gegen den Tod hilft kein großes Vermögen", so Kardinal Christoph Schönborn.
Gedanken zum Evangelium von Kardinal Christoph Schönborn am Sonntag, 25. September 2016 (Lukas 16,19-31).
Zwischen uns und euch ist ein tiefer und unüberwindlicher Abgrund! Schärfer, treffender kann nicht beschrieben werden, wie groß der Abstand zwischen Arm und Reich oft ist. Im Gleichnis vom reichen Prasser und vom armen Lazarus gibt Jesus freilich keine Analyse über die sozialen oder wirtschaftlichen Verhältnisse seiner Zeit. Erst recht geht es ihm nicht um eine Beschreibung des Jenseits, von Himmel und Hölle. Nur um eines geht es: Siehst du den Lazarus vor deiner Tür? Hast du Augen für die anderen? Bemerkst du, wo du helfen könntest, ja dringend helfen müsstest? Denn der Arme vor deiner Tür ist Gottes Schützling.
Doch der reiche Mann sieht den Armen nicht. Die Hunde kommen zu Lazarus, der Reiche nicht. Genügend Abfall bleibt vom täglich reich gedeckten Tisch des Reichen, um auch Lazarus genug zu essen zu geben, aber niemand gibt es ihm.
Der Abgrund zwischen den beiden wäre ganz leicht zu überwinden. Der Reiche müsste nur die Augen öffnen. Aber er sieht nur sich selber, sein bequemes Luxusleben. Sein Reichtum hat ihn blind gemacht.
Mich hat immer wieder erschüttert, in Ländern der sogenannten „Dritten Welt“ das krasse Nebeneinander von größter Armut und von großem Reichtum zu erleben. Neben einem Luxusviertel die Blechhütten der Ärmsten. Wie hält man es aus, so mit dem Elend vor der eigenen Tür zu leben, habe ich mich oft gefragt. Mit seinem Gleichnis stellt aber Jesus an jeden die ganz persönliche Frage: Wer ist Lazarus vor deiner eigenen Tür? Wer bräuchte dringend deine Aufmerksamkeit? Merkst du, wen du übersiehst? Spürst du den Hunger des anderen, vielleicht nicht nach Brot, aber nach Liebe und Zuwendung?
Lazarus stirbt. Und bald danach auch der Reiche. Der Tod macht keinen Unterschied. Arme und Reiche behandelt er gleich. Gegen den Tod hilft kein großes Vermögen. Und wie ist es nach dem Tod? Jesus gibt vor allem eine Botschaft an die Lebenden: „Drüben“ herrscht Gerechtigkeit. Im Leben nach dem Tod ist alles spiegelverkehrt. Der Reiche hat im Leben schon alles gehabt, der Arme nichts. Jetzt wird Lazarus getröstet „in Abrahams Schoß“, der Reiche leidet jetzt die Qualen, die er zu Lebzeiten bei Lazarus nicht gesehen hat.
Jesus spricht eine klare Warnung aus: Wer hier nicht barmherzig ist, wird dort keine Barmherzigkeit erfahren. Wer hier hartherzig ist, muss drüben mit einem harten Gericht rechnen. Ich glaube nicht, dass Jesus das als etwas Automatisches sieht: dem Reichen geht es drüben schlecht, dem Armen gut. Seine Botschaft ist vielmehr: Es kommt darauf an, was du jetzt tust, wie du dich heute verhältst. Es gibt Reiche, die ein großes Herz haben. Es gibt Arme, die ihr Herz verschließen. Dein ewiges Los entscheidet sich nicht erst drüben. Es liegt heute in deiner Hand. Schau vor deine Tür! Wer ist dein Lazarus?
In jener Zeit sprach Jesus: Es war einmal ein reicher Mann, der sich in Purpur und feines Leinen kleidete und Tag für Tag herrlich und in Freuden lebte. Vor der Tür des Reichen aber lag ein armer Mann namens Lazarus, dessen Leib voller Geschwüre war. Er hätte gern seinen Hunger mit dem gestillt, was vom Tisch des Reichen herunterfiel. Stattdessen kamen die Hunde und leckten an seinen Geschwüren. Als nun der Arme starb, wurde er von den Engeln in Abrahams Schoß getragen. Auch der Reiche starb und wurde begraben. In der Unterwelt, wo er qualvolle Schmerzen litt, blickte er auf und sah von weitem Abraham, und Lazarus in seinem Schoß. Da rief er: Vater Abraham, hab Erbarmen mit mir, und schick Lazarus zu mir; er soll wenigstens die Spitze seines Fingers ins Wasser tauchen und mir die Zunge kühlen, denn ich leide große Qual in diesem Feuer. Abraham erwiderte: Mein Kind, denk daran, dass du schon zu Lebzeiten deinen Anteil am Guten erhalten hast, Lazarus aber nur Schlechtes. Jetzt wird er dafür getröstet, du aber musst leiden. Außerdem ist zwischen uns und euch ein tiefer, unüberwindlicher Abgrund, so dass niemand von hier zu euch oder von dort zu uns kommen kann, selbst wenn er wollte. Da sagte der Reiche: Dann bitte ich dich, Vater, schick ihn in das Haus meines Vaters! Denn ich habe noch fünf Brüder. Er soll sie warnen, damit nicht auch sie an diesen Ort der Qual kommen. Abraham aber sagte: Sie haben Mose und die Propheten, auf die sollen sie hören. Er erwiderte: Nein, Vater Abraham, nur wenn einer von den Toten zu ihnen kommt, werden sie umkehren. Darauf sagte Abraham: Wenn sie auf Mose und die Propheten nicht hören, werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn einer von den Toten aufersteht.
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