Es ist wohl zutreffend, dass viele Altorientale den Theologen Joseph Ratzinger (Benedikt XVI.) schätzen, dessen Aussage, dass „Rom vom Osten nicht mehr an Primatslehre verlangen muss, als im ersten Jahrtausend gelehrt und gelebt wurde“, bis heute in ihren Ohren nachklingt.
Die Kirchen sind selbstständig und voneinander unabhängig, stehen jedoch in voller kirchlicher sakramentaler (eucharistischer) Gemeinschaft.
Im Unterschied zur katholischen Kirche ist außer einem ökumenischen Konzil kein sichtbares Prinzip der Einheit der universalen Kirche notwendig.
Die ökumenische Diskussion über die Frage des Petrusamtes hat ergeben, dass die orthodoxen Kirchen Rom als „prima sedes“ (Ehrenvorsitz), und den Bischof von Rom als ersten der Bischöfe anerkennen. Sie tun dies aber nicht im Sinn eines Primats der Jurisdiktion, sondern im Anschluss an Ignatius von Antiochien im Sinne eines Vorsitzes in der Liebe.
Johannes Chrysostomus schreibt jedem Bischof das Petrusamt für seine Ortskirche zu.
Papst Paul VI. meinte im Jahr 1967, das „größte Hindernis auf dem Weg zur Ökumene“ sei der Papst selbst.
Vor allem die Vollmacht des Bischofs von Rom (Jurisdiktionsprimat) und die Lehre von der Unfehlbarkeit des Papstes in Glaubens- und Sittenlehre einte für lange Zeit die nicht römisch-katholischen Kirchen gegen das Papsttum.
Das Vatikanum II. hat diese Lehre durch die Stärkung der Bischöfe ergänzt, die mit dem Papst und dem Volk Gottes die volle Gewalt über die Kirche besitzen.
Weil Jesus Christus, als das Wort und durch sein Wort, das eine und einzige Haupt der Kirche ist, lehnen die Kirchengemeinschaften aus der Reformation ein sichtbares Haupt der Kirche ab, wie es aus katholischer Sicht der Bischof von Rom als Nachfolger des Petrus ist.
Die Kirchenleitung geschieht durch Gemeindevertretung (Presbyterium) und (General-) Synode. Die Kirchengemeinschaften aus der Reformation leben eine presbyterial-synodale Kirchenverfassung.
Die Sicht auf den Papst ist historisch vom Konflikt mit Heinrich VIII. überschattet. So wurde anfänglich die Bewahrung der Lehre mit der Ablehnung der päpstlichen Autorität verbunden.
Die Anglikanische Gemeinschaft (Nationalkirchen) steht in Verbindung mit dem Bischofssitz in Canterbury. Die Bindung an die Kirche von England ist sehr verschieden.
Die Lambeth-Konferenz stellt ein Zeichen der Einheit der Anglikanischen Gemeinschaft dar.
Assyrische Kirche des Ostens: Mar Gewargis III.
Koptisch-orthodoxe Kirche: Papst Tawadros II.
Syrisch-orthodoxe Kirche: Mor Ignatius Aphrem II. Karim.
Armenisch-orthodoxe Kirche: Karekin Nersissian.
Malankara Orthodox-Syrische Kirche: Paulose Mar Thoma.
Äthiopisch-orthodoxe Kirche: Abuna Mathias Teklemaryam Asrat.
Patriarch von Konstantinopel: Bartholomäus I.
Patriarch von Alexandrien: Theodoros II.
Patriarch von Antiochien: Johannes X. Yazigi
Patriarch von Jerusalem: Theophilos III.
Patriarch von Moskau und Russland: Kyrill I.
Patriarch von Serbien: Irinej Miroslav Gavrilovic
Patriarch von Rumänien: Daniel
Patriarch von Bulgarien: Neofit Simeon Nikolov
Patriarch v. Georgien: Ilia II. Erekle Gudusauri Siolasvili
Papst Franziskus
In Österreich ist die Kirche A.B. (Lutherische Kirche) mit der Kirche H.B. (Reformierte Kirche) zusammengeschlossen.
Daher gibt es neben dem Oberkirchenrat A.B. den Oberkirchenrat A. und H.B. (Oberkirchenrat A.B. und Landessuperintendent H.B.). Dieser vertritt die Kirche A.B und H.B. auch gegenüber dem Staat.
Die evangelisch-methodistische Kirche in Österreich gehört zusammen mit jenen in anderen europäischen Ländern zum Amtsbereich von Bischof Dr. Patrick Streiff, der seinen Sitz in Zürich hat.
Bischof der Evangelischen Kirche Österreichs: Michael Bünker.
Landessuperintendent der Reformierten Kirche Österreichs: Thomas Hennefeld.
Die jeweiligen britischen Monarchen sind weltliches „Oberhaupt“ der Church of England, also der beiden Kirchenprovinzen mit den Erzbistümern Canterbury und York.
Die anglikanische Kirche (Anglican Communion) weltweit umfasst 26 selbstständige Kirchenprovinzen.
Dabei ist die Church of England von allen anglikanischen Kirchen die einzige Staatskirche. Alle anderen Kirchen haben den Charakter von Freikirchen.
Das Bindeglied aller anglikanischen Kirchen ist die Lambeth-Konferenz, eine alle zehn Jahre zusammentretende Konferenz aller anglikanischen Bischöfe unter dem Ehrenvorsitz des Erzbischofs von Canterbury.
Seit März 2013 ist Justin Welby, amtierender Erzbischof von Canterbury, Primas von ganz England und das geistliche Oberhaupt der Kirche von England sowie Ehrenoberhaupt der anglikanischen Kirchengemeinschaft.
Eine Einigung könnte auf der Grundlage geschehen, dass sich die Kirchen in ihrer jeweiligen Gestalt gegenseitig als rechtgläubig und rechtmäßig anerkennen.
Im Mai 1973 hatten Tawadros’ Vorgänger Schenuda III. und Papst Paul VI. in einem Dokument bekannt, beide Kirchen teilten den gleichen Glauben, trotz unterschiedlicher Formulierungen.
Der päpstliche Primat wird von vielen christlichen Kirchen nicht in seinem „Dass“, wohl aber in seinem „Wie“ in Frage gestellt.
Zum Prinzip des Ehrenoberhauptes: Im Rahmen der fünf Patriarchate (Rom, Konstantinopel, Alexandrien, Antiochien und Jerusalem) war der Bischof von Rom im ersten Jahrtausend ein „erster unter gleichen“ (primus inter pares).
Ein Jurisdiktionsanspruch über die gesamte Christenheit ist problematisch.
Die Kirche existiert in Ortskirchen, die selber Kirche im vollen Sinne sind. Die Feier der Eucharistie steht im Zentrum.
Eine Rückkehr zu echten ökumenischen Konzilien (siehe die ersten sieben Konzilien) wäre ein wichtiger Schritt.
Zur Notwendigkeit einer personalen Einheit: Historisch-politische Machtansprüche müssen benannt und überwunden werden.
Das Vatikanum II. sieht im Rückgriff auf Traditionen des ersten Jahrtausends eine Möglichkeit, das Verhältnis von Orts- und Universalkirche neu und ökumenisch verträglich zu bestimmen.
Damit kommt der „Plural“ von Kirchen wieder in den Blick, mithin das Prinzip „Ortskirche“.
Trotz aller Defizite kann nach röm.-kath. Auffassung die Einheit der Kirche als Bezugspunkt aller Bemühungen um Überwindung der historischen Spaltungen nicht wirklich verloren gehen, wie auch immer ihr Ergebnis konkret einmal aussehen mag.
Das Petrusamt kann ein Zeichen und ein Instrument einer die Völker übergreifenden Einheit wie der Freiheit und Unabhängigkeit der Kirche von einer bestimmten Kultur oder staatlichen Ordnung sein.
„Würde der Papst das Evangelium nicht mehr behindern, wollte Martin Luther dem Papst die Füße küssen.“
Die katholische Kirche und die orthodoxen Kirchen verstehen unter „Einheit“ eine sichtbare Einheit der Kirche, die reformatorischen Gemeinschaften hingegen geben sich mit dem Zustand der Vielheit, Verschiedenheit und Autonomie der Kirchen zufrieden und begnügen sich mit gegenseitiger Anerkennung.
Bei einer historischen Begegnung im Jahr 1966 haben Papst Paul VI. und Erzbischof Ramsey die Internationale Anglikanisch/Römisch-Katholische Kommission (seit 2011: ARCIC III) errichtet, um einen ernsthaften theologischen Dialog zu führen, der „auf der Grundlage der Evangelien und der altehrwürdigen gemeinsamen Überlieferungen zu jener Einheit in der Wahrheit führen möge, für die Christus gebetet hat“.
In dem Dialogprozess ARCIC tut sich die Anglikanische Gemeinschaft schwer, eine Position zu finden.
Die Antwort der röm.-kath. Kirche übernimmt die Kongregation für die Glaubenslehre. Darin zeigt sich die weiterhin bestehende Differenz im Verständnis kirchlicher Autorität.
Teil 1 der Serie:
katholisch / evangelisch: Was sie verbindet, was sie trennt
Teil 2 der Serie:
Verständnis der Heiligen Schrift
Teil 3 der Serie:
Teil 4 der Serie:
Teil 5 der Serie:
Teil 6 der Serie:
Teil 7 der Serie:
Teil 8 der Serie:
Teil 9 der Serie:
Teil 10 - Ende der Serie
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