In der Fastenzeit stellen wir uns öfters die Frage: Welchen Stellenwert nehmen materielle Dinge in meinem Leben ein? Kann ich verzichten? Kann ich mit anderen teilen? Einen möglichen Weg dorthin zeigen uns Menschen aus unserer Diözese.
Wir leben in einer Kultur, wo alles ständig verfügbar ist“, sagt Martina Goldenberg.
„In der Fastenzeit haben wir die Gelegenheit auszuprobieren, ob wir nicht einfach mit weniger auskommen können.“
Die Referentin für Entwicklungspolitik und Bildungsarbeit in der Katholischen Frauenbewegung fragt sich immer wieder selbst: „Werden wir wirklich zufriedener, dass wir Jahr ein, Jahr aus über alle Güter verfügen können? Oder gibt es andere Werte, die für unser Leben entscheidender sind?“
Martina Goldenberg kommt aus einem gläubigen Elternhaus und die Werte der Solidarität und Nächstenliebe haben den höchsten Stellenwert für sie. „Es ist mir nicht egal, wie es anderen Menschen geht.
Wir sehen, dass unsere Gesellschaft zunehmend unsolidarischer wird. Menschen, die es nicht so gut getroffen haben, werden öfters auf das Abstellgleis „selber schuld“ gestellt. „Die Solidarität mit diesen ist wichtiger denn je“, sagt Goldenberg.
„Verzicht wird in unserer Gesellschaft als negativ gesehen, es ist aber die Chance, bewusster mit den begrenzten Ressourcen des Planeten Erde umzugehen.“
Als einen besonderen Wert sieht Goldenberg an, dass nicht Finanzen, sondern zwischenmenschliche Beziehungen im Vordergrund stehen. „Sich Zeit zu nehmen, nicht nur ständig zu hetzen, sondern das Leben zu entschleunigen, bedeutet für mich ein hohes Gut.
Und das Wissen um die globalen Zusammenhänge, dass ich mich als Bürgerin der Welt wahrnehme und sehe, welche Auswirkungen meine Lebensstilentscheidungen auf die Mitmenschen haben.“
Martina Goldenberg versucht immer neue Wege zu gehen, auch außerhalb der Fastenzeit, dass ihr Lebensstil zu einer positiven Veränderung der Welt beiträgt. Ihre Ernährung gestaltet sie lokal-regional und biologisch, wie sie im Gespräch mit dem SONNTAG verrät. „Wenn etwas aus einem südlichen Land kommt wie etwa Kaffee oder Tee, kaufe ich es über den fairen Handel ein, damit auch andere Menschen eine Chance auf ein faires zufriedenes Leben bekommen.“
Martina Goldenberg überlegt stets: „Wie notwendig ist eine Ware jetzt wirklich? Und wenn ich sie benötige: Kann ich sie gebraucht kaufen?“ Die Neuanschaffung ist für sie der letzte Weg, egal ob es sich um Kleidung oder technische Geräte handelt.
Das Thema Verzicht in der Fastenzeit spielt auch eine Rolle im Leben des Ehepaars Hilde und Karl Kaffesi aus Guntramsdorf.
„Fasten soll für mich einen bleibenden Eindruck hinterlassen, d. h. es kann für mich unter Umständen auch eine schmerzlich-körperliche Erfahrung sein“, sagt Hilde Kaffesi.
„Denn als Genuss- und Wohlstandsmensch ist die bewusste Reduktion auf die nur alltägliche notwendige Ernährung ein zum Teil mühevoller Schritt.“
Hilde Kaffesi hat sich für diese Fastenzeit vorgenommen, explizit auf Süßigkeiten soweit als möglich zu verzichten. „Dies hört sich leichter an, als es ist. Jeder kennt die Versuchungen, die täglich, stündlich, ja minütlich den guten Vorsatz zum kläglichen Scheitern bringen könnten.
lch weiß, dieser Fastenvorsatz mag manchem banal vorkommen, trotzdem überkommt mich jeden Tag Freude, wenn ich wieder den vielen Versuchungen widerstanden habe.“
Soll Fasten wehtun? Karl Kaffesi bejaht es:
„Wenn ich wissentlich auf Dinge, die mir sonst so wichtig sind, verzichte. Dazu gehört natürlich, den Alltagsablauf bewusst zu ändern. Sich zurückzunehmen, Verzicht zu leisten. Und dieses Verzichtspotenzial, das auch finanziell bewertet ist, als Spendenbetrag Bedürftigen zukommen zu lassen.
Dieser alltägliche Verzicht soll sich für mich eben in dieser monetären Umverteilung von Selbst-haben-Wollen zum Anderen-helfen-Dürfen als Umkehr ergeben.“ Das heißt für ihn, nicht in erster Linie an sich selber zu denken, sondern dem Anderen, dem Hilfsbedürftigen, dem Suchenden oder dem – durch welche Umstände auch immer – Notleidenden, Unterstützung zukommen zu lassen.
Fasten bedeutet für Karl Kaffesi immer wieder Veränderung. Und dies ganzjährig. „Meine Gattin und ich haben vor langer Zeit beschlossen, zehn Prozent unseres Einkommens für Spenden an karitative Organisationen übers ganze Jahr verteilt zu überweisen. Ich weiß, dass nun bei manchen der Eindruck von ,Gutmenschen’ entsteht.
Es geht einzig und allein um unsere bescheidene Möglichkeit, in diesem Sinne vielleicht die Welt ein bisschen gerechter zu machen bzw. den bedürftigen Menschen ein bisschen das Leben zu erleichtern. Uns ist nur in geringem Maße von Gott die Fähigkeit gegeben, im direkten Kontakt am Bedürftigen Gutes tun. Deshalb spenden wir über Hilfsorganisationen für notleidende Menschen, Flüchtlinge, für Kinder, aber auch für misshandelte Tiere und für Umweltagenden.“
Ein besonderes Herzensprojekt haben Hilde und Karl Kaffesi im S.O.S.-Children-Care Project Africa gefunden.
Da das Ehepaar kinderlos geblieben ist, bedeutet diese Möglichkeit der aktiven und punktgenauen Hilfe für sie eine große Freude. „Meine Gattin betreut seit dem Jahr 2000 ein Mädchen namens Joëlle – jetzt bereits 18 Jahre – im S.O.S.-Kinderdorf in Bukavu in der Demokratischen Republik Kongo. Ich widme mich dem Wohlergehen eines jungen Mannes namens Emmanuel (17 Jahre) in Kigali in Ruanda“, sagt Karl Kaffesi.
„Wir versuchen durch finanzielle Unterstützung, beiden Kindern sowohl eine schulische Bildung als auch eine gesicherte Zukunft zu ermöglichen. Und im ständigen schriftlichen Kontakt mit ,unseren’ Kindern ist uns dies – das zeigt das Feedback – denken wir, gut gelungen.
Ich weiß, wir alleine können nicht die Welt mit all ihren Problemen retten, aber jeder von uns kann durch einen kleinen Beitrag der Welt und ihren Menschen ein Stück hoffnungsvolle Zukunft geben.“
Fastenzeit - 40tägige Vorbereitungszeit auf Ostern
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