Das Institut für Ethik und Recht in der Medizin befindet sich im Wiener Uni-Campus (Altes AKH): Vorträge und Workshops finden meist in der "Alten Kapelle" statt.
Das Institut für Ethik und Recht in der Medizin befindet sich im Wiener Uni-Campus (Altes AKH): Vorträge und Workshops finden meist in der "Alten Kapelle" statt.
Immer mehr ethische Fragen angesichts medizinisch-technischen Fortschritts. Institutsgründer Virt: Im Mittelpunkt der medizinethischen Reflexion steht immer der Mensch als Person.
Die zunehmende Bedeutung medizinethischer Fragen gerade angesichts des naturwissenschaftlich-technologischen Fortschritts, der gesellschaftlichen Komplexität und der demografischen Entwicklung betonten sämtliche Redner beim Festakt zum 20-jährigen Bestehen des Instituts für Ethik und Recht in der Medizin (IERM). Dabei sei die Basis des Instituts "immer ein personales Menschenbild, wir stellten den Menschen als Person immer in den Mittelpunkt", so der IERM-Gründer und ehemalige Institutsvorstand Günter Virt beim Festakt an der Universität Wien am Freitag, 20. September 2013. Der jetzige Institutsvorstand, der evangelische Theologe Ulrich Körtner, betonte: Als "interdisziplinäre Forschungsplattform" leiste das IERM in Österreich einen unerlässlichen gesellschaftlichen Beitrag.
Dass ethische Fragen gerade in Grenzfällen virulent werden, zeige sich an Diskussionen rund um Geburt und Tod des Menschen, etwa bei Themen wie Präimplantationsdiagnostik (PID) oder Sterbehilfe, so Virt. "Existenzielle Themen bedürfen immer der ethischen Reflexion", ergänzte die Dekanin der katholisch-theologischen Fakultät, Sigrid Müller. Hinzu komme, dass die Komplexitätssteigerung in den Fachbereichen der Medizin und Pflege eine sachgerechte ethische Reflexion und diese wiederum eine Stärkung der Interdisziplinarität zwischen den Forschungsfeldern erfordern, so der Dekan der evangelisch-theologischen Fakultät in Wien, Christian Danz.
Der zunehmende ethische Pluralismus und Fragen der Verteilungsgerechtigkeit angesichts des demografischen Wandels seien zwei zentrale Herausforderungen der Medizinethik, führte der deutsche Medizinethiker Georg Marckmann aus. Die Aufgabe des Medizinethikers bestehe darin, Akteuren und Betroffenen im Gesundheitssystem beratend zur Seite zu stehen und ihnen Orientierungshilfe in schwierigen Entscheidungssituationen zu leisten, so der Vorstand des Instituts für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin an der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Der deutsche Jurist Stefan Huster ging beim Festakt auf die Tendenz einer zunehmenden Liberalisierung des Medizinrechts in Europa ein. Europa sei zu einem großen "bioethischen Experimentierfeld" geworden, die Zulassung medizinethisch umstrittener Behandlungen wie der PID in Staaten wie Schweden, Niederlande oder Norwegen würde auf andere europäische Länder entsprechenden Druck ausüben. "Wenn sich heute ein österreichisches Paar eine Eizellspende wünscht, die in Österreich verboten ist, kann es einfach nach Belgien reisen und diese Behandlung dort vornehmen lassen", so der Experte für Gesundheitsrecht an der Ruhr-Universität Bochum.
Die Gründung des IERM im Jahr 1993 sei "nicht ganz einfach gewesen" und bedurfte einer längeren Anlaufzeit, erinnerte sich Institutsgründer Virt. Schließlich fiel der Start des Instituts in eine turbulente Phase, als der Skandal um die Ermordung Pflegebedürftiger in Lainz ebenso für öffentliche Diskussion sorgte wie der Fall der krebskranken, damals fünfjährigen Olivia, deren Eltern aufgrund der Verweigerung notwendiger medizinischer Maßnahmen das Sorgerecht entzogen wurde.
Zu den Schwerpunkten des Instituts gehören interkulturelle Ethik und Fragen zur Patientensicherheit und Pflegeethik. Institutsvorstand Körntner zufolge gehe es darum, Medizinethik, Pflegeethik und Medizinrecht interdisziplinär und integrativ in Forschung, Lehre und Beratung zu vertreten.
"Angeknüpftes Leben"
Die medizinische Praxis der Organspende als Herausforderung theologischen Denkens"
Referentin: Susanne Krahe
evangelische Theologin und Schriftstellerin (2013: "Organspende - ein Akt der Nächstenliebe?" Susanne Krahe und Eberhard Fincke)
Dienstag, 29. Oktober 2013, 18.00 Uhr
Seminarraum Institut Ethik und Recht in der Medizin
(Alte Kapelle AAKH, 1090 Wien, Spitalgasse 2-4, Hof 2.8)