Laut dem Rektor des Österreichischen Hospizes in Jerusalem, Markus Bugnyar, muss die angespannte Lage im Heiligen Land nicht zwangsläufig eskalieren.
Laut dem Rektor des Österreichischen Hospizes in Jerusalem, Markus Bugnyar, muss die angespannte Lage im Heiligen Land nicht zwangsläufig eskalieren.
Bugnyar im "Radio Vatikan"-Interview: "Ausschreitungen mehr geworden, Politiker beider Seiten versuchen aber zu beruhigen".
Laut dem Rektor des Österreichischen Hospizes in Jerusalem, Markus Bugnyar, muss die angespannte Lage im Heiligen Land nicht zwangsläufig eskalieren. Die Ausschreitungen hätten zwar zugenommen - "wir haben allein um das Hospiz Anschläge und Versuche aus nächster Nähe miterleben müssen" -, Politiker beider Seiten versuchten aber zu beruhigen "so gut es geht", unterstrich Bugnyar am Dienstag, 13. Oktober 2015 im "Radio Vatikan"-Interview. In der Jerusalemer Altstadt, auch im Umkreis der traditionsreichen Pilgerherberge, entlädt sich seit Tagen eine aufgestaute Spannung, es kommt zu Rangeleien und auch Attacken gegen israelische Polizisten.
Dass Friedensaktivisten und Persönlichkeiten, die in Netzwerken und Zeitungen gegen die Krise anschreiben, weniger geworden wären, glaubt der burgenländische Priester, der das Hospiz seit 15 Jahren leitet, nicht. Scharfmacher übertönten in der angespannten Lage aber ihre Stimmen. Auf beiden Seiten gebe es eine "kleine aber potente und wortgewaltige Minderheit", die Emotionen schüre und extremistische Kreise anstachle.
Spürbar sei eine zunehmende Bereitschaft innerhalb radikaler Kreise zu religiös motivierter Gewalt. Das sei nicht weniger geworden, sondern mehr. "Allerdings glaube ich, dass es nicht mehr Menschen geworden sind, es ist möglicherweise bei denen, die dazu bereit sind, die Hemmschwelle abgesunken, weil es in der öffentlichen Meinung weniger Gegenwehr gibt." In die Pflicht nahm Bugnyar "eine christliche Weltöffentlichkeit", die sich "eindeutig zu Wort melden" müsse. Es sei wichtig, "dass die Christenheit geschlossen auftritt", da eine "Fragmentierung" der eigenen Glaubwürdigkeit im Nahen Osten schade.
Der Brandanschlag auf das Benediktinerprioriat in Tabgha hebe die Eskalation auf eine neue Stufe. Auf christlicher Seite vermisse man eine klare Verurteilung der Täter seitens der Justiz. Als "brauchbaren Vorschlag" erachtet Bugnyar die Idee eines Sonderstatus für die Altstadt Jerusalems. Die Fronten zwischen den Konfliktparteien seien vor Ort derart verhärtet, "dass eine dritte Kraft von außen natürlich eine Lösung darstellen kann", auch wenn er bezweifelt, eine Kraft von außen zu finden, die sowohl Palästinenser als auch Israelis als neutral anerkennen würden.
Das 1863 gegründete Österreichische Hospiz ist das Pilgerhaus der katholischen Kirche Österreichs in Jerusalem. Es ist das älteste nationale Pilgerhaus im Heiligen Land. 1939 wurde es von den britischen Mandatsbehörden als "deutsches Eigentum" beschlagnahmt und als Internierungslager für österreichische, deutsche und italienische Priester und Ordensleute verwendet. Nach 1948 richtete die jordanische Armee dort ein Lazarett ein, später wurde es als Spital verwendet.
1967 war eine Rückgabe des Hospizes an den rechtmäßigen Eigentümer bereits geplant, die israelische Armee besetzte allerdings nach dem Sechstagekrieg das Gebäude; das Hospiz musste weiter als Spital dienen. Erst 1985 wurde das Gebäude an die katholische Kirche zurückgegeben und nach einer Renovierung wieder als Pilgerhospiz eröffnet.