„Die österreichische Jesuitenprovinz ist eine kleine, aber sehr dynamische Provinz mit viel Kreativität“, sagte der General des Jesuitenordens, P. Adolfo Nicolas SJ bei einem Pressegespräch am 8. Juni im Wiener Kardinal-König-Haus. Die österreichischen Jesuiten feierten vom 7. bis 9. Juni ein Jubiläum: Vor 450 Jahren wurden drei Kollegien zur Österreichischen Provinz der Gesellschaft Jesu erklärt: Wien, Prag und Trnava.
Der Auftrag der Jesuiten sei wie jener des Anfangs, betonte Nicolas: „Das menschliche Leben humaner zu machen und Leid, Armut und Gewalt zu verringern.“ Die Kirche habe heute „eine neue Sprache zu lernen, die Sprache der Weisheit“, betonte der Jesuiten-General. Entscheidend sei: „Wie können wir die Menschen begleiten?“ Die Erziehung, der sich die Jesuiten von Anfang an verschrieben hätten, sei „der Ort, wo Menschen wachsen können“. Daher gelte für Jesuiten, die meist über keine eigene Kirche verfügen: „Unsere Kapelle ist das Leben.“
Die Tatsache, dass ein Jesuit Papst sei, „bedeutet nicht viel", sagte Nicolas: „Wir sind glücklich, er ist ein guter Mann für die Kirche. Wir wollen das aber nicht ausnutzen.“ Die Rolle der Jesuiten sei es, „dem Papst zu gehorchen und ihm zu dienen.“ Daher bot der Jesuiten-General dem Papst „alle Ressourcen der Gesellschaft Jesu“ an: „Es liegt am Papst, diese zu gebrauchen".
Angesprochen auf den „schwarzen Papst“, als der ein Jesuiten-General oft bezeichnet wird, erinnerte Nicolas schmunzelnd, „dass er „weder Papst noch schwarz“ sei. Das Amt des Generals sei „ein Dienst und keine Position“. Jesuiten seien nie selbstzufrieden mit der Gegenwart. „Wir brauchen immer Reform und Erneuerung“, sagte der Jesuiten-General. Es gehe dabei um das berühmte „Magis“, das „Mehr“. Angesprochen auf Jesuiten-Theologen, die immer wieder in Konflikt mit dem Lehramt gerieten, sagte Nicolas: „Große Theologen hatten Schwierigkeiten mit der Kirche und wurden später Lehrer der Kirche.“
Im Hinblick auf die Verantwortung für die Bewahrung der Schöpfung“ seien jesuitische Dokumente „ein bisschen spät gekommen, erst vor 10, 15 Jahren“, gestand Nicolas ein. Mittlerweile habe das Thema „Gerechtigkeit und Ökologie“ einen hohen Stellenwert im Orden. Beide Themen seien miteinander engstens verknüpft. „Die ökologischen Fragen betreffen vor allem auch die Armen. Denn wer leidet bei Taifuns und Flutkatastrophen am meisten? Die Armen“, sagte Nicolas.
Gerade die Frage nach der – zum Grundbestand des Christentums zählenden – „Option für die Armen“ sei bleibend aktuell. Papst Benedikt XVI. habe bei einem Besuch in der römischen Ordenszentrale der Jesuiten diese Ausrichtung explizit unterstrichen.
Auch den Jesuitenorden – zahlenmäßig der stärkste Männerorden der Welt – würden Nachswuchsprobleme plagen. In dieser Hinsicht sei er aber „ein Optimist“, sagte der Generalobere. Denn die „Talsohle“ sei erreicht und werde bald überwunden sein. Einerseits habe die Kirche in Ländern wie Indien, Vietnam, auf den Philippinen oder in Afrika viel Zulauf, andererseits wolle im Westen eine zunehmende Zahl junger Menschen etwas Sinnvolles mit ihrem Leben anfangen, betonte der Jesuiten-General.
Stefan Kronthaler